30 Jahre Andronaco – eine filmreife Geschichte


Mit 18 Jahren verlässt Vincenzo Andronaco 1970 sein kleines Dorf in Sizilien. Er hat große Träume und reist nach Hamburg. Von der Hansestadt hat ihm ein Bekannter erzählt: „Es gibt viel Arbeit, viel Geld und soooo schöne Frauen.“

Doch die Zeit nach seiner Ankunft erweist sich als schwierig. Es ist ein kalter Winter, alles ist fremd und er findet keinen Job. Doch der junge Italiener gibt nicht so schnell auf und kommt schließlich in einer Fabrik unter. Danach verbringt er ein Jahrzehnt auf dem Bau: Akkordarbeit, Wochenendschichten, Überstunden. Als die Baukonjunktur erlahmt, spürt der immer noch hoch motivierte Auswanderer, dass es Zeit für etwas Neues ist. Er möchte sein eigener Chef sein. Und so übernimmt er 1983 einen kleinen Obst- und Gemüse- stand am Barmbeker Bahnhof in Hamburg.

 

Wer wagt, gewinnt!

Zu Beginn reicht ein VW-Käfer für den Einkauf. Doch bald muss sich der geschäftige Italiener einen VW-Bus anschaffen und schließlich den ersten LKW. Die Investition ist ein großer Schritt für den Jungunternehmer. Doch seine Lebenseinstellung war damals schon: Wer stehen bleibt, hat schon verloren!

Die Investition hat sich bald amortisiert und sein Geschäft wächst weiter. 1987 mietet er den ersten Stand auf dem Hamburger Großmarkt und konzentriert sich auf die Belieferung einer stetig wachsenden Anzahl von Gastronomen. Das Sortiment wird zunehmend an die Nachfrage angepasst, sodass bald die ersten Weine und Pastasorten dazukommen.

 

Ungewöhnlich zu dieser Zeit: Original italienische Lebensmittel in Hamburg

Andronaco erkennt, dass er sein Sortiment nicht nur stetig erweitern, sondern dass er einen eigenen, unverwechselbaren Weg finden muss. Er erinnert sich an seine ersten Eindrücke von Hamburg und seine eigenen Sehnsüchte: Echte italienische Lebensmittel fehlen dieser Stadt!

Vincenzo fängt an, seine Heimat zu bereisen, auf der Suche nach den besten Produkten für seine – damals noch überwiegend italienischen – Gastronomiekunden. Sein Netzwerk wird immer größer, sodass es ihm schon bald gelingt, auch die außergewöhnlichsten Wünsche seiner Kunden zu erfüllen. Limonen aus einem kleinen italienischen Dorf an der Küste: kein Problem.

 

Wachstum mit Geschäftssinn und Bauchgefühl

Dieser Service kommt an und spricht sich schnell herum. Mit steigender Nachfrage wächst der Handel weiter: ein 60 qm großen Stand auf dem Großmarkt, die Anmietung immer größerer Lager, ein zusätzliches Außenlager in der Amsinkstraße. Andronaco erkennt, dass die immer größer werdenden logistischen Probleme ein weiteres Wachstum langfristig behindern würden. Und so tut er das, was er immer tat, wenn er spürte, dass ein neuer Weg beschritten werden muss: Er investiert.

Bei der Investition im Jahre 2000 handelt es sich um seinen bisher größten Schritt. Andronaco kauft ein 5000qm großes Lager- und Verwaltungsgebäude im Billbrooker Gewerbegebiet. Auf diese Entscheidung reagieren viele Menschen in seiner Umgebung mit Skepsis und Sorge. Doch Andronaco glaubt an sich, an seine Familie, an seine damals schon 28 Mitarbeiter und vor allem: an seine Vision! Doch als der erste Lkw in dem riesigen Lager abgeladen wird, bekommt auch der große Meister zum ersten mal weiche Knie: Er blickt auf die verloren wirkenden Paletten und fragt sich, ob er die 5000 qm jemals ausfüllen wird. Und so werden 1200qm mit Regalen bestückt, eine Espressomaschine kommt hinein und fertig ist die Idee vom Abholmarkt für Jedermann.

 

Ein Stück Italien ‒ mitten im Gewerbegebiet

Doch die Anfänge sind schwer. Nur selten verläuft sich eine Privatperson in das Gewerbegebiet. Der größte Teil seiner eigens für den Privatmann gekauften Kekse und anderer Köstlichkeiten landet als Spende im nahe gelegenen Asylbewerberheim. Doch Andronaco gibt nicht auf: Er investiert in Werbung und übt sich in Geduld. Und tatsächlich. Nach und nach spricht es sich herum, dass er jetzt auch an Endverbraucher verkauft. Es tauchen immer mehr Kunden auf und sie kommen wieder. Denn so etwas gab und gibt es kein zweites Mal in Hamburg: echte italienische Produkte, die den Deutschen so sehr an den letzten Italienurlaub erinnern. Dazu ein Cappuccino und ein Panino auf die Hand. Was braucht man mehr? Das Bistro löst die ursprüngliche Kaffeemaschine ab – auch dieser Plan geht auf. Das Sortiment und das Bistro wachsen weiter. Der Grande Mercato Andronaco ist geboren!

 

Zweite Filiale im Westen der Stadt

Im Jahre 2004 übergibt Vincenzo Andronaco die immer noch florierende Gastronomie-Belieferung an seinen Sohn Florian. Er konzentriert sich mit der Unterstützung seiner beiden Neffen ganz auf den Import und den Abholmarkt. Denn stehen bleiben will er nicht. Seine Kunden kommen mittlerweile von überall her. Sie nehmen teilweise lange Anfahrtswege in Kauf für einen „Kurztrip nach Italien“, wie sie es selber nennen. Die Schlangen an den Kassen und im Bistro werden immer länger und die Rufe nach einer weiteren Filiale im Westen der Stadt immer lauter. Das Ergebnis befindet sich seit November 2004 in Bahrenfeld.

 

Andronaco heute: eine Feinkostkette mit Familienflair

Angespornt durch diesen Erfolg werden innerhalb des rekordverdächtigen Zeitraumes von 3 Jahren 8 weitere Filialen in Norddeutschland eröffnet. Aus dem kleinen Gemüsestand ist eine vielschichtige Unternehmensgruppe geworden: mit acht Filialen, der Gastronomiebelieferung, einem Online-Versandhandel und einem Top-Restaurant. Das Unternehmen beschäftigt heute über 200 Mitarbeiter, der Gastronomie-Service beliefert unter der Leitung von Florian Andronaco mehr als 500 Gastronomen in Norddeutschland, von Heide bis hinauf zur dänischen Grenze.